Fehl- und Totgeburt

Von einer Fehlgeburt spricht man, wenn das Kind keine Lebenszeichen, wie Atmung, Herzschlag oder Nabelschnurpulsationen zeigt und unter 500 g wiegt. Wiegt das Kind über 500 Gramm und stirbt im Mutterleib oder während der Geburt bezeichnet man es als Totgeburt.

Ungefähr jede dritte Schwangerschaft endet frühzeitig mit einer Fehlgeburt. Viele Schwangerschaften enden so frühzeitig, dass diese von den Frauen gar nicht wahrgenommen werden. Bei ca. 50 Prozent der Schwangerschaften, die mit einer Fehlgeburt enden, ist kein entwicklungsfähiger Embryo angelegt, bei weiteren 25 Prozent liegen Chromosomendefekte vor. Seltener sind Störungen der Gebärmutterschleimhaut oder mütterliche Erkrankungen die Ursache für eine Fehlgeburt. Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Fehlgeburt.

Fehlgeburten können aber durch Einwirkung von Gewalt ausgelöst werden. Körperliche Gewalt, insbesondere Schläge, Stöße oder Tritte in den Unterleib, Verletzungen mit längerer Bewusstlosigkeit können eine Fehl- oder Totgeburt auslösen. Auch seelischer oder körperlicher Stress können Mutter und Kind nachhaltig schaden.

Woran erkenne ich eine Fehlgeburt?

  • Blutungen (aber nicht jede Blutung kündigt eine Fehlgeburt an)
  • Krämpfe und Schmerzen im Unterbauch
  • starke Schmerzen im unteren Rücken
  • Fruchtwasserabgang
  • Der Bauch wächst nicht
  • keine Herzaktion im Ultraschall

Muss nach einer Fehlgeburt eine Ausschabung durchgeführt werden, kann dies meist ambulant in einer Klinik erfolgen.

Obwohl viele Frauen eine Fehlgeburt erlebt haben, ist sie immer noch mit einem Tabu belegt: Frau redet nicht darüber. Dabei wäre ein Austausch sehr hilfreich, um mit Gefühlen wie Schmerz und Wut oder auch Schuldgefühlen umzugehen und die Trauer über den Verlust wahrzunehmen und verarbeiten zu können.

Umgang mit Verlust
Folgende Möglichkeiten gibt es, um eine Fehlgeburt angemessen verarbeiten zu können:

  • Verabschiedungsrituale z.B. eine Kerze anzünden, einen Brief schreiben, ein eigenes Symbol gestalten, ein Kerzenschiff schwimmen lassen…

  • Alle Karlsruher Kliniken bieten die Möglichkeit an, sich in Ruhe von einem verstorbenen Kind zu verabschieden, wenn es weit genug entwickelt war. Es ist fast immer hilfreich, das Kind anzuschauen, zu berühren und Fotos zu machen. Die KlinikseelsorgerInnen unterstützen Sie dabei auf Wunsch gerne.

  • Beerdigung
    Fehlgeborene Kinder können auf Wunsch eines Elternteils auf Kosten der Eltern bestattet werden. Liegt keine Erklärung eines Elternteils vor, müssen Fehlgeburten und ungeborene Kinder von den Einrichtungen unter würdigen Bedingungen gesammelt und bestattet werden. Näheres dazu und die Termine erfahren Sie über die KlinikseelsorgerInnen oder auf www.regenbogen-ka.de. Die Kosten übernimmt das Krankenhaus.
    Für tot geborene Kinder über 500 g gibt es eine Bestattungspflicht. Die Kosten für die Beerdigung und das Grab tragen die Eltern.
    Auf dem Karlsruher Hauptfriedhof gibt es eine Grabanlage zur Bestattung tot geborener Kinder (Feld 8). Die Gedenkstätte ist ein trostreicher Ort für alle Eltern, die ihr Kind nie lebend im Arm halten konnten.

  • Trostgottesdienste
    Für trauernde Eltern finden drei Mal im Jahr statt. Nähere Informationen dazu gibt Anne Haab, Klinikseelsorgerin am Vincentius-Krankenhaus Tel. 0721/81 08 -3521, kindergrab.de

  • Trauerberatung und Begleitung bei den Schwangerschaftsberatungsstellen, z.B. Sozialdienst katholischer Frauen

  • Austausch mit anderen betroffenen Eltern, z.B. in einer Selbsthilfegruppe wie die Initiative Regenbogen www.regenbogen-ka.de

  • Immer am zweiten Sonntag im Dezember findet das worldwide candle Lighting statt, an dem verwaiste Eltern in der ganzen Welt ihrer verstorbenen Kinder gedenken.

Weitere Informationen zum Umgang mit Bestattung und Trauer gibt es auch unter
www.bestatter.de/trauernetzwerke.php